{"id":828,"date":"2014-09-06T09:38:20","date_gmt":"2014-09-06T09:38:20","guid":{"rendered":"http:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?page_id=828"},"modified":"2014-09-06T09:46:38","modified_gmt":"2014-09-06T09:46:38","slug":"im-portraet-heilig-kreuz-im-quartier-latin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?page_id=828","title":{"rendered":"Im Portr\u00e4t: &#8222;Heilig Kreuz im Quartier Latin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_00081.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-830\" alt=\"DSC_0008\" src=\"http:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_00081-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_00081-199x300.jpg 199w, https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_00081.jpg 425w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a>Der alte Meister Gerhard lebte vermutlich von 1210 bis 1271. Sein gr\u00f6\u00dftes Werk ist ein deutsches Wahrzeichen durch und durch: der K\u00f6lner Dom. Die Fertigstellung des gotischen Gem\u00e4uers erlebte der Baumeister aber nicht. L\u00e4ngst nicht. Erst Jahrhunderte nach seinem Tod wurden die beiden T\u00fcrme fertiggestellt und der Dom vollendet. Vieles ist von Meister Gerhard nicht \u00fcberliefert. Sicher ist, dass an Christi Himmelfahrt im Jahr 1248 der Grundstein f\u00fcr den Dom gesetzt wurde. Die Pl\u00e4ne f\u00fcr die Kathedrale stammen aus Gerhards Feder.<\/p>\n<p>Meister Gerhard: Das war Ehrentitel und Berufsbezeichnung zugleich. Gerd Stevens h\u00e4tte ihn ebenfalls verdient: \u201eMeister Gerd\u201c hat nicht nur die Mehrhooger Kirche Heilig Kreuz, sondern ungez\u00e4hlte H\u00e4user und Bauten seines Heimatdorfs Mehrhoog erbaut. Der r\u00fcstige 93-J\u00e4hrige kennt unendlich viele Anekdoten, Hist\u00f6rchen, Erz\u00e4hlungen. In kleinen B\u00fcchern hat er sie aufgeschrieben. \u201eGeschichte und Geschichten\u201c lautet ein treffender Untertitel dazu.<br \/>\nGeschichte und Geschichten kennt er auch zu \u201eseiner\u201c Kirche Heilig Kreuz in Mehrhoog. Gerd Stevens hat sie geplant, erbaut \u2013 und ist Mitglied unserer Pfarrgemeinde. Sein Bauwerk ist der j\u00fcngste Kirchenbau in der Pfarrei Maria Frieden. Vor 50 Jahren, am 15. November 1964, wurde der erste Spatenstich gesetzt. Am 1. Oktober 1966 hat der M\u00fcnsteraner Weihbischof Heinrich Baaken die Kirche geweiht.<\/p>\n<p>Bevor Architekt Stevens \u2013 gemeinsam mit dem Kirchen-Architekten Erwin van Aaken \u2013 die erste Skizze zu Papier brachte, gingen der Kirchenplanung jahrelange Bem\u00fchungen voraus. Als Generationenkonflikt zwischen Mutter und Tochter beschreibt Stevens die wechselvolle Geschichte zwischen den Nachbard\u00f6rfern Mehrhoog und Mehr: \u201eAuch die Tochter Mehrhoog, die der Mutter inzwischen \u00fcber den Kopf gewachsen war, hat der agile Pfarrer nicht vergessen\u201c, hei\u00dft es beispielsweise \u00fcber Pastor Karl Esser, der 1934 den Kirchbauverein wiederbelebt hat.<\/p>\n<p><strong>F\u00e4hnchen f\u00fcr Fronleichnam<\/strong><\/p>\n<p>Zuvor wurde bereits zur Jahrhundertwende erstmals f\u00fcr eine eigene Mehrhooger Kirche gesammelt. Dieser erste Kirchbauverein hatte jedoch keinen Erfolg: Fehlendes Engagement einerseits und die W\u00e4hrungsreform andererseits brachten das angesparte Kapital wieder auf Null. \u201eGro\u00dfz\u00fcgig wurden vom Restgeld, das f\u00fcr andere Zwecke in der Pfarre Mehr verwendet wurde, einige F\u00e4hnchen und Gl\u00f6ckchen angeschafft, die Mehrhooger Volkssch\u00fcler bei der Fronleichnamsprozession in Mehr tragen durften\u201c, hei\u00dft es lakonisch in Stevens\u2018 Notizen zum vorl\u00e4ufigen Ende des Vereins.<\/p>\n<p>Auch der zweite Anlauf kam nicht ans Ziel. Die Nazi-Machthaber versagten dem Kirchenbau die Erlaubnis. Aller guten Dinge sind drei: 1957 nahm der Kirchbauverein zum drittel Mal seine Arbeit wieder auf. Architekt Stevens beteiligte sich mit einem Vorentwurf, verschiedene Grundst\u00fccke wurden ins Auge gefasst. Mit 100.000 D-Mark beteiligten sich die Gl\u00e4ubigen an den Baukosten von rund 600.000 D-Mark.<\/p>\n<p>Dass die Kirche am Ortsrand in Richtung T\u00f6ven errichtet wurde, ist einer letzten List der Mehrer Mutter zu verdanken: Nachdem in den 1960er Jahren die Bauleitplanung auf kommunale H\u00e4nde \u00fcberging, schrieben Haffen und Mehr das au\u00dfenliegende Gel\u00e4nde in die Fl\u00e4chennutzungspl\u00e4ne. \u201eUm einen Kirchbau nicht erneut in Frage zu stellen, musste man sich den Planungsvorgaben beugen\u201c, res\u00fcmierte Stevens. Und agierte drei Tage vor der Kirchweih nicht weniger listig: Bei einer kurzfristigen Audienz beim M\u00fcnsteraner Generalvikar B\u00f6ggering setzte er sich daf\u00fcr ein, die Grenzen der neuen Pfarrei noch nicht zu ziehen, sondern die kommunale Gemeindereform abzuwarten. So sind weltliche und kirchliche Gemeinde bis heute identisch.<\/p>\n<p>Irrungen und Wirrungen, Grenzkonflikte sind l\u00e4ngst Vergangenheit. Seit Advent 2012 ist Heilig Kreuz eine von f\u00fcnf Kirchen in der Pfarrei Maria Frieden. Wie der Sakralbau in Ringenberg beherrscht moderne Architektur und Kunst das Geb\u00e4ude. Wenige Meter neben dem Kirchenschiff wurde der Turm errichtet. Beton und rote Klinker dominieren die \u00e4u\u00dfere Ansicht. Architekt Stevens ist es gelungen, die Philosophie seiner Kirche in einen Satz zu fassen: \u201eHell verputzte W\u00e4nde, die Betonfarbe der Konstruktionsteile, der Boden in Jura-Marmor sind neben der mit Holz verschalten, im Naturton belassenen Decke, die durch die hochsitzenden Fenster einen fast schwebenden Eindruck macht, die aufeinander abgestimmten, raumbildenden Elemente.\u201c Kurzum: \u201eEs sollte ein Raum entstehen, der geeignet ist, Gemeinschaft zu bilden und zu festigen.\u201c<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Kirche kann sich sehen lassen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcsterin Maria Schulte-Drevenack best\u00e4tigt das: \u201eVon jedem Platz im leicht ansteigenden Raum l\u00e4sst sich der Altar gut sehen. Und von oben kann jeder Gottesdienstbesucher gut gesehen werden.\u201c Keine S\u00e4ulen, die den Blick versperren.<\/p>\n<p>Der erste Eindruck: ganz sch\u00f6n dunkel. Nach und nach gew\u00f6hnen sich die Augen an das D\u00e4mmerlicht, das durch Lichtb\u00e4nder in den Innenraum f\u00e4llt. Die Stimmung ist gewollt, sagt der Erbauer. Bei den romanischen Kirchen sei die Dunkelheit Programm gewesen, um die richtige, and\u00e4chtige Stimmung zu erzeugen. In Heilig Kreuz gelingt das auch.<\/p>\n<p>Der Blick des Betrachters f\u00e4llt auf wenige, markante Elemente: Altar, Tabernakel, Ambo, Taufstein und Kreuz hat der K\u00fcnstler Hermann Kunkler aus Raesfeld gefertigt. Das wuchtige Kreuz f\u00e4llt beim Betreten der Kirche sofort ins Auge. Rot funkelnde Mosaiksteine erinnern an das Blut und Leiden Christi, das Kreuz selbst wirkt verschlissen und zerschunden. Morgens tr\u00e4gt die Natur ihr \u00fcbrigens dazu bei: \u201eVon Osten strahlt die Sonne morgens durch das Fensterband genau auf das Kreuz\u201c, schw\u00e4rmt Maria Schulte-Drevenack von der besonderen Lichtstimmung.<\/p>\n<p>Rechts und links flankieren Antonius von Padua und Maria den Altarraum. Der Kreuzweg aus Mosaiksteinen wurde nachtr\u00e4glich angebracht, ebenso die neue Orgel. \u201eDie Kirche kann sich sehen lassen\u201c, res\u00fcmiert \u201eMeister Gerd\u201c am Ende seiner Kirchenf\u00fchrung. Von der vorletzten Bank aus erz\u00e4hlt er seine pers\u00f6nliche Kirchengeschichte. Die allerletzte Bank ist nicht mehr da, sie musste dem Orgelpodest weichen. Dort war sein Lieblingsplatz, hier feierte er sonntags mit Weggef\u00e4hrten den Gottesdienst mit.<\/p>\n<p>Gerd Stevens ist stolz auf seine Bauwerke. \u201eQuartier Latin.\u201c Lateinisches Viertel. So nennt er das Arrangement rund um Kirche, Pfarrheim, Kindergarten und Schule. Er, der Junge vom Land, hat nicht nur Episoden aus der Vergangenheit aufgeschrieben, sondern Geschichte geschrieben. Und gebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Artikel von Norbert Ne\u00df (erschienen im Pfarrbrief, Sommer 2014)<\/span><\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-828 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?attachment_id=835'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" 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class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?attachment_id=837'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_0020-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-837\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-837'>\n\t\t\t\tAlle Blicke richten sich  wie von selbst  auf den Altar als Mittelpunkt.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?attachment_id=838'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_0023-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-838\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-838'>\n\t\t\t\tDas Taufbecken im Eingagnsbereich.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?attachment_id=839'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/DSC_0029-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-839\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-839'>\n\t\t\t\tLichtb\u00e4nder, von Beton unterbrochen, umrahmen das Kirchenschiff.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?attachment_id=840'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" 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