{"id":13151,"date":"2022-11-18T07:06:19","date_gmt":"2022-11-18T07:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?p=13151"},"modified":"2022-11-25T11:09:55","modified_gmt":"2022-11-25T11:09:55","slug":"kampf-gegen-sexuellen-missbrauch-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?p=13151","title":{"rendered":"Kampf gegen sexuellen Missbrauch geht weiter"},"content":{"rendered":"<p><strong>18.11.2022 \u2013 Ver\u00f6ffentlicht im Internet und in den Medien des Bistums M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eIm Juni habe ich angek\u00fcndigt, welche weiteren Konsequenzen ich aus den Erkenntnissen der Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum M\u00fcnster f\u00fcr unser Bistum ziehen werde. Zugleich habe ich zugesagt, regelm\u00e4\u00dfig transparent zu machen, wie weit wir in der Umsetzung der einzelnen Ma\u00dfnahmen sind. Diese Zusage m\u00f6chte ich heute erstmals einl\u00f6sen. Als Zwischenfazit kann ich aus meiner Sicht sagen: Es wurde schon einiges auf den Weg gebracht; es gibt aber hier und da Schwierigkeiten in der Umsetzung; und es bleibt noch viel zu tun\u201c. Das hat der Bischof von M\u00fcnster, Dr. Felix Genn, jetzt betont und zugleich unterstrichen: \u201eMeine Zielsetzung bleibt es bei allen Ma\u00dfnahmen, die wir ergreifen, sexuellen Missbrauch zu verhindern!\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bischof Genn<\/strong> beschreibt den Stand der Umsetzung bei den angek\u00fcndigten Ma\u00dfnahmen wie folgt:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Auf Anregung von Betroffenen habe ich in Absprache mit dem Domkapitel den Prozess, in dem entschieden wird, wie im Umfeld der Bischofsgruft im St.-Paulus-Dom und generell mit Gr\u00e4bern von T\u00e4tern, Beschuldigten und Vertuschern umgegangen werden soll, zeitlich verl\u00e4ngert. Einen provisorischen Hinweis auf die Verfehlungen gibt es bereits. Es wird eine eigene Arbeitsgruppe geben, mit Vertretungen aus dem Bereich der Betroffenen, des Domkapitels, des Di\u00f6zesanrates und des Di\u00f6zesankomitees, die hier Vorschl\u00e4ge erarbeiten soll.<\/li>\n<li>Ich habe dem fr\u00fcheren Erzbischof von Hamburg Werner Thissen zum 4. November 2022 den Titel als Ehrendomkapitular am St.-Paulus-Dom in M\u00fcnster entzogen. Er hat in seiner Zeit als Generalvikar und Weihbischof im Bistum M\u00fcnster schwere Fehler im Umgang mit sexuellem Missbrauch gemacht. Dieser Schritt erfolgte nicht zuletzt auch aufgrund einer Initiative von Betroffenenseite. Zuvor sind auch Gespr\u00e4che mit dem Erzbischof gef\u00fchrt worden. Letztlich habe ich aber die Entscheidung getroffen und verfolge damit die Linie, die ich auch beim fr\u00fcheren Domkapitular Theo Buckstegen eingeschlagen habe.<\/li>\n<li>Ab dem 1. Januar wird Karl Render (65) als so genannter \u201eFall-Manager\u201c im Bistum M\u00fcnster t\u00e4tig sein. Er wird regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcfen, dass die Auflagen, die Beschuldigten und T\u00e4tern in Dekreten gemacht werden, eingehalten werden. Die genauen Abl\u00e4ufe werden noch in Absprache mit dem Beraterstab festgelegt. Karl Render ist noch bis Ende dieses Jahres Seelsorge-Personaldezernent des Bistums und geht dann in dieser Funktion in den Ruhestand.<\/li>\n<li>Die Anfang des Jahres verabschiedete Interventionsordnung der Deutschen Bischofskonferenz bezieht sich ausdr\u00fccklich auch \u201eauf Handlungen unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit, die im pastoralen [\u2026] Umgang mit [\u2026] schutz- oder hilfebed\u00fcrftigen Erwachsenen eine sexualbezogene Grenzverletzung oder einen sonstigen sexuellen \u00dcbergriff darstellen.\u201c Zu dieser Personengruppe geh\u00f6ren, so hei\u00dft es weiter, auch Menschen, \u201edie einem besonderen Macht- und\/oder Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis unterworfen sind. Ein solches besonderes Macht- und\/oder Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis kann auch im seelsorglichen Kontext gegeben sein oder entstehen.\u201c In diesem Zusammenhang r\u00fccken zunehmend unangemessene Verhaltensweisen von Priestern gegen\u00fcber anderen erwachsenen Personen in den Fokus. Im Bistum M\u00fcnster gab es nach der Ver\u00f6ffentlichung der Studie zwei Vorg\u00e4nge, die in diesem Bereich zu verorten sind, und ich habe jeweils Ma\u00dfnahmen gegen die beschuldigten Priester ergriffen und werde solche Verhaltensweisen auch weiterhin nicht tolerieren.<\/li>\n<li>Ich hatte den emeritierten M\u00fcnsteraner Kirchenrechtler Prof. Klaus L\u00fcdicke gebeten, zu pr\u00fcfen, wie und unter welchen Umst\u00e4nden eine vor\u00fcbergehende di\u00f6zesane kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit im Bistum M\u00fcnster jetzt schon eingef\u00fchrt werden k\u00f6nnte, obwohl es noch keine Festlegungen hierzu aus Rom und auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz gibt. Prof. L\u00fcdicke hatte das zun\u00e4chst zugesagt, hat jedoch inzwischen diese Zusage zur\u00fcckgezogen. Hintergrund waren Meinungsverschiedenheiten zum Umgang mit Vorw\u00fcrfen gegen einen Priester des Bistums M\u00fcnster, weil ich die von mir eingeleiteten Untersuchungen nicht sofort einstellen wollte. Ich habe daraufhin Kontakt zur Universit\u00e4t M\u00fcnster aufgenommen. Die Kirchenrechtler Prof. Thomas Sch\u00fcller und Dr. Thomas Neumann haben angeboten, bis zum Mai kommenden Jahres die m\u00f6gliche Ordnung einer di\u00f6zesanen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu formulieren. Zugleich bin ich mit Rom im Gespr\u00e4ch, weil es das Ziel bleiben muss, eine bundesweite kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit einzuf\u00fchren.<\/li>\n<li>Die letzte Synodalversammlung des Synodalen Wegs hat sich mit gro\u00dfer Mehrheit f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines sogenannten Synodalen Rates f\u00fcr die katholische Kirche in Deutschland ausgesprochen. Hierdurch wird das Verh\u00e4ltnis von Bisch\u00f6fen und Laien neu geregelt werden. Es ist ein deutliches Zeichen, dass Macht und Verantwortung in der katholischen Kirche neu verteilt werden. Ein solcher Synodaler Rat auf Bundesebene sollte sich in \u00e4hnlicher Weise auf Bistumsebene widerspiegeln, das hei\u00dft, dass wir \u2013 wenn die Ergebnisse im Blick auf den bundesweiten Synodalen Rat vorliegen \u2013 schauen werden, was das f\u00fcr die Gremienstruktur im Bistum M\u00fcnster hei\u00dft. Auf jeden Fall bleibt es dabei, was ich im Juni gesagt habe: Ich bin bereit, mich im Rahmen einer Selbstverpflichtung an die Entscheidungen di\u00f6zesaner Gremien zu binden und das verbindlich festzuschreiben.<\/li>\n<li>Personalentscheidungen sollen k\u00fcnftig transparenter, nachvollziehbarer und partizipativer erfolgen. Dazu wird aktuell die Zusammensetzung und Arbeitsweise der Personalkonferenz \u00fcberpr\u00fcft. Die Beratungen hierzu laufen. Daran wird das Seelsorge-Personal selbst und bei den Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten zudem die Mitarbeitervertretung zu beteiligen sein.<\/li>\n<li>Am 9. November haben sich die Mitglieder der Unabh\u00e4ngigen Aufarbeitungskommission mit Vertretern des Bistums M\u00fcnster zu einem sehr guten, konstruktiven Gespr\u00e4ch getroffen, bei dem es um die weiteren Schritte der Umsetzung einer unabh\u00e4ngigen Aufarbeitung ging. Diese sind entsprechend angedacht worden. Ich bin nach wie vor bereit, dass sich das Bistum M\u00fcnster in diesem Rahmen an einer v\u00f6llig unabh\u00e4ngigen Beratungsstelle f\u00fcr Betroffene, die von Dritten eingerichtet und getragen wird, finanziell beteiligt.<\/li>\n<li>Die Aufarbeitung geht im Bistum M\u00fcnster auch auf andere Weise weiter:\n<ul>\n<li>Das Bistum hat einen der Verfasser der Studie, Dr. Bernhard Frings von der WWU M\u00fcnster, beauftragt, da, wo es m\u00f6glich ist und wo Betroffene das w\u00fcnschen, weitere Einzelfallstudien zu erstellen. Das betrifft auswertbare F\u00e4lle, in denen eine entsprechende Datenlage vorhanden ist. Eine entsprechende finanzielle Zusage zur Absicherung dieser Arbeit bis zum Jahr 2025 wurde inzwischen abgegeben.<\/li>\n<li>Die Caritas in unserem Bistum hat ebenfalls begonnen, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und die Auseinandersetzung mit dem Thema, neben den schon praktizierten Pr\u00e4ventionsaktivit\u00e4ten, zu intensivieren. Die Leitungen von Einrichtungen sollen auf m\u00f6gliche Opfer und auch Zeitzeugen zugehen und sie ermutigen, ihre Geschichten \u00f6ffentlich zu machen. Bei einem Treffen mit Betroffenen Anfang Juli dieses Jahres wurde zugesagt, dass der Interventionsbeauftragte in diesem Sinne auf den Vorstand des Di\u00f6zesancaritasverbandes zugeht. Das ist erfolgt.<\/li>\n<li>Ich hatte im Juni au\u00dferdem zugesagt, die F\u00e4lle, in denen es nach Einsch\u00e4tzung der Wissenschaftler m\u00f6glicherweise Fehler im Verfahren gab, noch einmal \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen. Das ist geschehen. Es handelt sich um vier F\u00e4lle.<br \/>\nEinen Fall habe ich zur Pr\u00fcfung nach Rom weitergeleitet. Die Pr\u00fcfung wurde dort abgeschlossen. \u00a0Das Verfahren wurde eingestellt, weil kein konkreter Vorwurf festgestellt werden konnte.<br \/>\nEin Verfahren l\u00e4uft noch bei uns im Bistum; die Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen. Sobald das geschehen ist, geht der Fall nach Rom.<br \/>\nIn einem drittem Fall ist der Beschuldigte 85 Jahre alt und \u00fcbt keinerlei priesterliche T\u00e4tigkeiten mehr aus. Der Vorgang datiert aus dem Jahr 1974. Die Frage einer Abgabe nach Rom soll mit dem Beraterstab gekl\u00e4rt werden.<br \/>\nDer vierte Fall wird aufgrund einer Absprache mit der betroffenen Person noch einmal vollst\u00e4ndig von einem externen Kirchenrechtler einer kirchenrechtlichen Pr\u00fcfung unterzogen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die \u00dcberlegungen, neben den vorhandenen Therapie-Angeboten zus\u00e4tzlich eine seelsorgliche Gespr\u00e4chsbegleitung f\u00fcr Betroffene einzurichten, sind auf einem sehr guten Weg. Monika Stammen (Pastoralreferentin, geistliche Begleiterin und Supervisorin) wird hierzu gemeinsam mit Betroffenen eine Konzeption entwickeln<strong><em>.<\/em><\/strong><\/li>\n<li>Ich m\u00f6chte auch den geistlichen Missbrauch weiter bek\u00e4mpfen. Gemeinsam mit dem Bistum Osnabr\u00fcck wird dieses Thema aufgearbeitet werden. Hier soll in K\u00fcrze ein unabh\u00e4ngiges Forschungsprojekt auf den Weg gebracht werden.<\/li>\n<li>Alle Pfarreien erhalten in K\u00fcrze vom Bistum kostenfrei ein Exemplar der Studie der WWU zum sexuellen Missbrauch im Bistum M\u00fcnster. Ich bitte die Pfarreien, dieses Buch interessierten Menschen zug\u00e4nglich zu machen. Damit folge ich einer Anregung, die aus dem Kreis der Betroffenen an mich gerichtet wurde. Diese Ma\u00dfnahme soll dazu beitragen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema auf dieser Ebene angegangen beziehungsweise fortgesetzt wird.<\/li>\n<li>Auch auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz haben wir dem Kampf gegen sexuellen Missbrauch eine neue Struktur gegeben. Unter anderem wird es einen unabh\u00e4ngigen Expertenrat geben, in dem Betroffene mitarbeiten.<\/li>\n<li>Zudem bleibe ich bei dem, was ich im Juni gesagt habe: Es w\u00e4re gut, den Staat k\u00fcnftig st\u00e4rker zu beteiligen und bei der Aufarbeitung mit in die Pflicht zu nehmen. Der neue Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Helmut Dieser, hat es so formuliert: \u201eEs braucht gerade hier eine h\u00f6here Glaubw\u00fcrdigkeit der Kirche, die dadurch erreicht werden kann, dass die Kirche sich nicht nur eigenen Regeln stellt. Die Einflussnahme der Unabh\u00e4ngigen Beauftragten f\u00fcr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/artikel\/missbrauchsbeauftragte-claus-fordert-recht-auf-aufarbeitung\">Kerstin Claus<\/a>, k\u00f6nnte und sollte hier deutlicher werden. Sie k\u00f6nnte etwa Standards der Aufarbeitung formulieren. Diese w\u00fcrden dann f\u00fcr die Kirche gelten, aber auch f\u00fcr alle ,Player\u2018 in der Gesellschaft<\/li>\n<\/ul>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.11.2022 \u2013 Ver\u00f6ffentlicht im Internet und in den Medien des Bistums M\u00fcnster \u201eIm Juni habe ich angek\u00fcndigt, welche weiteren Konsequenzen ich aus den Erkenntnissen der Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum M\u00fcnster f\u00fcr unser Bistum ziehen werde. Zugleich habe ich zugesagt, regelm\u00e4\u00dfig transparent zu machen, wie weit wir in der Umsetzung der einzelnen Ma\u00dfnahmen sind. 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