{"id":13880,"date":"2023-05-01T04:35:57","date_gmt":"2023-05-01T04:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?p=13880"},"modified":"2023-05-03T10:10:22","modified_gmt":"2023-05-03T10:10:22","slug":"impuls-des-monats-mai-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/?p=13880","title":{"rendered":"Impuls des Monats Mai 2023"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auferstehung mal anders buchstabiert:<br \/>\n<\/strong><strong>mit den Worten einer Lyrikerin.<br \/>\n<\/strong>Der abgedruckte Text stammt aus der Feder von <em>Marie Luise Kaschnitz (1901\u20111974). <\/em>Tod, Auferweckung und Leben nach dem Tod geh\u00f6ren zu den wichtigsten Themen des schriftstellerischen Wirkens der bekennenden evangelischen Christin, die sich freilich niemals als \u00bbchristliche Dichterin\u00ab verstanden hat. Das Gedicht \u00bbAuferstehung\u00ab stammt aus dem Gedichtband \u00bbDein Schweigen \u2011 Meine Stimme\u00ab von 1962, der sich insgesamt vor allem mit dem Problem des Weiterlebens der Dichterin nach dem Tod ihres Ehemannes auseinander setzt.<\/p>\n<p><strong>AUFERSTEHUNG<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Manchmal stehen wir auf<a href=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Monatsimpuls-Mai-2023.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-13881 alignright\" src=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Monatsimpuls-Mai-2023.jpg\" alt=\"\" width=\"305\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Monatsimpuls-Mai-2023.jpg 671w, https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Monatsimpuls-Mai-2023-288x300.jpg 288w, https:\/\/mariafrieden-hamminkeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Monatsimpuls-Mai-2023-624x651.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/a><br \/>\nStehen wir zur Auferstehung auf<br \/>\nMitten am Tage<br \/>\nMit unserem lebendigen Haar<br \/>\nMit unserer atmenden Haut.<\/p>\n<p><!--more-->Nur das Gewohnte ist um uns.<br \/>\nKeine Fata Morgana von Palmen<br \/>\nMit weidenden L\u00f6wen<br \/>\nUnd sanften W\u00f6lfen.<\/p>\n<p>Die Weckuhren h\u00f6ren nicht auf zu ticken<br \/>\nIhre Leuchtzeiger l\u00f6schen nicht aus.<\/p>\n<p>Und dennoch leicht<br \/>\nUnd dennoch unverwundbar<br \/>\nGeordnet in geheimnisvolle Ordnung<br \/>\nVorweggenommen in ein Haus aus Licht.<\/p>\n<p>Auferstehung ist in diesem Gedicht ein Ereignis, das sich nicht nach dem Tod, sondern mitten im Alltag ereignet. Es trifft uns \u00bbmit Haut und Haar\u00ab, ganz real, aber nicht so, dass sich die Welt deshalb sofort radikal ver\u00e4ndern w\u00fcrde \u2011 davon sprechen die ersten drei Strophen des Gedichtes. Keine Flucht in ein vermeintliches \u00bbParadies\u00ab (\u00bbFata Morgana von Palmen\u00ab), keine biblische inspirierte Vision von zahm gewordenen Raubtieren \u2011 Auferstehung betrifft \u00bbnur das Gewohnte\u00ab. Kein Fallen aus der Zeit, sondern ein Bleiben in diesem K\u00f6rper, in dieser raum\u2011zeitlichen Wirklichkeit. Die Schluss\u2011Strophe versucht schlie\u00dflich nicht nur Absagen an \u00bbfalsche\u00ab Auferstehungsbilder zu zeichnen, sondern eigene positive Setzungen auszuprobieren: \u00bbLeicht\u00ab f\u00fchlen und wissen sich Menschen, die solche Erfahrungen machen \u00bbunverwundbar\u00ab und \u00bbgeordnet\u00ab nach nicht von Menschen bestimmter Ordnung. Diese Leichtigkeit, Unverwundbarkeit und Ordnung ist gegr\u00fcndet in dem Gef\u00fchl, aufgenommen zu sein in ein \u00bbHaus aus Licht\u00ab, nicht im Sinne einer Entr\u00fcckung, sondern im Gef\u00fchl einer \u00bbVorwegnahme\u00ab. Mit diesem Begriff deutet die Lyrikerin auf eine andere Dimension. Zwar beschreibt ihre Auferstehung ganz und gar ein diesseitiges Ereignis im Alltag, in unserem K\u00f6rper und unserem Umfeld, aber was dort erfahren wird, ist \u00bbVorwegnahme\u00ab einer anderen Realit\u00e4t. Auferstehung im Leben ist so Vorerfahrung eines anderen Seins, das selbst nicht n\u00e4her beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ist die beschriebene \u00bbAuferstehung\u00ab im Blick auf das christliche Bekenntnis eine Zur\u00fccknahme, eine Entt\u00e4uschung, ein \u00bbZuwenig\u00ab? In dem thematisch ganz eng mit diesem Text verwandten Gedicht aus dem Band \u00bbKein Zauberspruch\u00ab von 1972 mit dem Titel \u00bbEin Leben nach dem Tode\u00ab weist Kaschnitz solche Anfragen zur\u00fcck. Dort schildert sie in eigenen Bildern ihre Hoffnung auf ein \u00bbJenseits\u00ab. Die Schlussverse des Gedichtes passen auch gut auf unseren Text: \u00bbMehr also fragen die Frager \/ Erwarten Sie nicht nach dem Tode?<br \/>\nUnd ich antworte \/ Weniger nicht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>aus: Langenhorst, Gedichte zur Bibel, M\u00fcnchen 2001<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Ich hoffe, dass Sie, liebe Leserin und lieber Leser, etwas von dem \u201eHaus aus Licht\u201c, das Kaschnitz in ihrem Gedicht andeutet, in ihrem Leben erfahren durften bzw. d\u00fcrfen. Die Auferstehung Jesu ist Unterpfand f\u00fcr die Erfahrung des Jenseitigen im Diesseits. Denn er ist wahrhaft auferstanden, sagt die Bibel und f\u00fcr dieses Bekenntnis haben Menschen Zeugnis abgelegt bis auf den heutigen Tag&#8230;<\/p>\n<p><em>Ralf Lamers, Pastor<\/em><\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auferstehung mal anders buchstabiert: mit den Worten einer Lyrikerin. Der abgedruckte Text stammt aus der Feder von Marie Luise Kaschnitz (1901\u20111974). Tod, Auferweckung und Leben nach dem Tod geh\u00f6ren zu den wichtigsten Themen des schriftstellerischen Wirkens der bekennenden evangelischen Christin, die sich freilich niemals als \u00bbchristliche Dichterin\u00ab verstanden hat. 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